54.29 Datenverarbeitungsanlagen: Sonstiges
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Bedingt durch den rasanten und stetig schneller werdenden technologischen Wandel werden die Innovationszyklen für neue Technologien kürzer. Im Gegenzug nimmt die Menge der technologischen Fortschritte zu. Betrachtet man diesen Trend und wendet ihn auf das aktuelle Weltmarktgeschehen an, so befinden wir uns in einem vernetzten und globalen Käufermarkt, in dem jede Dienstleistung durch den Kunden jederzeit und überall abgerufen werden kann. Der Kunde bestimmt, wann, wo und welche Leistung er in welcher gewünschten Qualität konsumieren möchte. In einer solchen Situation sind Dienstleister im Allgemeinen und klassische Unternehmen der Finanz- und Versicherungsbranche im Speziellen dazu gezwungen sich diesen Entwicklungen anzupassen. Um die notwendigen Anpassungen in einen geordneten Prozess durchzuführen starten diese Unternehmen Projekte zur digitalen Transformation. Teil dieser digitalen Transformation ist, neben der Integration neuer Technologien, die Automatisierung von Arbeitsabläufen. Zwei Systeme, um Arbeitsabläufe zu automatisieren sind Business Process ManagementSysteme und Robotic Process Automation Systeme. Beide Systeme haben ihre speziellen Einsatzbereiche und spezifischen Vor- und Nachteile. Was bisher allerdings noch nicht genauer wissenschaftlich untersucht wurde: Wie verhalten sich RPA Systeme in Kombination mit den klassischen BPMS? Lassen sich Synergieeffekte zwischen den beiden Disziplinen etablieren? Daher beschäftigt sich diese Ausarbeitung mit der Evaluierung und Untersuchung der Integrationsmöglichkeiten zwischen BPMS und RPA Systemen. Dazu wird die theoretische Basis der beiden Systeme BPMS und RPA erläutert und deren Einsatzmöglichkeiten aufgezeigt. Weiterhin werden mögliche Integrationsszenarien ermittelt, die BPMS und RPA miteinander verbinden. Auf Basis dieser Integrationsszenarien wird ein Fallbeispiel aus der Versicherungswirtschaft betrachtet. Aus diesem Fallbeispiel werden Testszenarien abgeleitet, die BPMS Prozesse und RPA Automatisierungen miteinander kombinieren. Um die Szenarien miteinander vergleichen zu können werden Key Performance Indikatoren definiert, um die Auswirkungen der Szenarien auf die Prozessqualität und Prozessleistung zu messen. Konkret werden die Durchlaufzeit, die Bearbeitungszeit, das Fehlerverhältnis, die Komplexität, die Volumenflexibilität, die Benutzerfreundlichkeit und der Grad der Automatisierung pro Szenario ermittelt und miteinander verglichen. Die daraus resultierende Bewertung zeigt, inwiefern sich die Prozessqualität und Prozessleistung im Vergleich zu den klassischen Implementierungen (reiner RPA Workflow, reiner BPMS Prozess) verändern. Die so ermittelten Werte werden dazu genutzt, die Fragen zu klären, ob es Synergieeffekte zwischen den beiden Systemarten gibt, oder eher nicht.
Robotic Process Automation
(2019)
Robotic Process Automation ermöglicht die softwaregestützte Automatisierung von Prozessen, welche über die grafische Benutzeroberfläche durchgeführt werden. Dies geschieht indem sie menschliche Interaktionen mit dem Computer imitiert. Das heißt diese Software ermöglicht die applikationsübergreifende Automatisierung von Mausklicks und Tastatureingaben. Im Zuge dieser Arbeit wird untersucht, wie sich der Einsatz dieser Technologie auf die Durchlaufzeit und Qualität von Prozessen auswirkt. Erweist sich Robotic Process Automation als ein Tool, welches monotone und repetitive Aufgaben übernehmen kann, bleibt den MitarbeiterInnen mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten, die deren Qualifikation eher gerecht werden. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein Quasi-Experiment durchgeführt. In diesem wurde der gewählte Prozess einerseits von einem mit dem Prozess vertrauten Probanden und andererseits mittels Workflow-Automatisierung in je zwei zeitlich unabhängig voneinander durchgeführten Versuchen jeweils zehn Mal durchlaufen. Bei diesem Prozess handelt es sich um einen Geschäftsprozess der Magna Steyr Fahrzeugtechnik AG & Co. KG. Konkret geht es dabei um den Import unterschiedlicher Instandhaltungsdokumente in das SAP ERP-System. Das Ergebnis dieser wissenschaftlichen Arbeit ist daher vor allem für Prozesse zum Datentransfer über Applikationsmasken relevant. Das Ergebnis dieses Quasi-Experiments zeigte, dass mit einer Prozessautomatisierung mittels Robotic Process Automation eine Reduzierung der Durchlaufzeit um durchschnittlich 52 Prozent bei mindestens gleich hoher Prozess- und Ergebnisqualität erreicht wird. Diese Arbeit befasst sich nicht mit den Kosten zur Automatisierung von Prozessen und eventueller Einsparungen in dessen Betrieb. In zukünftigen wissenschaftlichen Arbeiten könnte mittels Ermittlung der Total Cost of Ownership untersucht werden ab wann sich der Einsatz von Robotic Process Automation im Unternehmen bezahlt macht und zu Einsparungen führt.
