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Die Zustellung von Briefen war lange Zeit ein staatliches Monopol, wurde jedoch in letzter Zeit schrittweise liberalisiert. Das Volumen postalischer Briefe in Österreich nimmt ab, während die Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen, insbesondere während der COVID-19-Pandemie, an Dynamik gewonnen hat. Obwohl das Zustellgesetz (ZustG/12.11.2023) bereits seit 1998 in Kraft ist, haben jüngste Änderungen und die Einführung des staatlich kontrollierten Authentifizierungssystems „ID Austria“ zur Online-Postfach-Anwendung „Mein Postkorb“ geführt, die derzeit vom österreichischen Finanzministerium betrieben wird. Dieser Dienst bietet eine sichere, authentifizierte und nachvollziehbare digitale Zustellung behördlicher Schreiben an Bürgerinnen und Bürger. Im Mai 2025 gibt es insgesamt rund 1,9 Millionen Nutzer*innen, davon 1,2 Millionen Privatpersonen. Im Jahr 2024 wurden 13,6 Millionen Schreiben versendet (Trauner, 2025).Diese Arbeit untersucht hemmende und fördernde Faktoren, die die Akzeptanz eines Online-Portals zur Briefzustellung beeinflussen. Der Untersuchungsgegenstand ist die österreichische Anwendung „Mein Postkorb“; private Dienste für die digitale Zustellung, etwa im Bank- oder Versicherungsbereich, wurden nicht berücksichtigt. Die Studie kombiniert das weit verbreitete UTAUT-Akzeptanzmodell (Venkatesh et al., 2003) mit der Inhibitor-Theorie (Cenfetelli, 2004). Diese beiden gegensätzlichen Perspektiven wurden um weitere potenzielle Einflussfaktoren ergänzt und in einem gemeinsamen theoretischen Modell zusammengeführt. Dieses Modell diente als Grundlage für einen Interviewleitfaden, der in Expert*inneninterviews zum Einsatz kam. Die Transkripte der insgesamt fünf befragten Expertinnen und Experten wurden mittels quantitativer Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) ausgewertet, woraus ein Kategoriensystem entstand. Die zentralen Ergebnisse waren das Auftreten neuer Einflussfaktoren, insbesondere der Eintrittsbarrieren, die die Nutzung eines unbekannten Systems hemmen können. Auf der anderen Seite konnten die Kategorien „Sicherheit“ und „E-Government-Strategie“ als fördernde Faktoren identifiziert werden. Die Zusammenfassung der Ergebnisse führte zu Empfehlungen zur Förderung der Nutzung der elektronischen Zustellung in Österreich. Auf Grundlage dieser Arbeit könnten weiterführende Studien durchgeführt werden, um die neuen Faktoren detaillierter zu untersuchen. Darüber hinaus wäre ein Experiment denkbar, um genauere Einblicke in das Nutzer*innenverhalten bei Registrierung, Anmeldung und Erhalt von Schreiben in der Anwendung „Mein Postkorb“ zu gewinnen.
