Nachhaltigkeit in der Schuhindustrie

  • Im 21. Jahrhundert verzeichnet die Menschheit einen alarmierenden Anstieg im Verbrauch natürlicher Ressourcen, der die Fähigkeit der Erde zur Regeneration übersteigt. Dieser Trend hat weitreichende Konsequenzen für die Umwelt und stellt einen dringlichen Handlungsbedarf hinsichtlich der Nachhaltigkeit dar. Die Schuhindustrie trägt erheblich zu diesen Entwicklungen bei, wobei der größte Teil der Emissionen während der Materialverarbeitung und Produktion entsteht. Aufgrund dieser Ausgangslage ergibt sich ein dringender Handlungsbedarf, die Schuhproduktion nachhaltiger zu gestalten und einen zu 100% nachhaltig produzierten Schuh zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten. Eines der größten Probleme hinsichtlich der sozialen Dimension der Nachhaltigkeit ergibt sich daraus, dass die westliche Welt deutlich mehr Schuhe konsumiert, als sie produziert. Die größten Produktionsländer sind Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen sowohl ein niedriges Lohnniveau als auch mangelhafte Umweltstandards bezüglich der Produktion herrschen. Bei herkömmlichen Schuhen werden häufig Kunststoffe eingesetzt, die oft nicht die Kriterien der ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit erfüllen. Einige Produzenten losen diese Problematik, indem sie recyceltes Meeresplastik oder andere primär recycelten Kunststoffe verarbeiten. Auch der Einsatz von Naturprodukten als Alternative zu Kunststoffen stellt eine Option dar, an der geforscht und die teilweise auch angewendet wird. Hinsichtlich der Alternativen aus Naturprodukten ergibt sich jedoch häufig die Problematik einer reduzierten Belastbarkeit und Langlebigkeit. Manche Unternehmen versuchen Kund*innen mit Abo-Modellen vom Kauf nachhaltiger Schuhe zu überzeugen. Diese Abo-Modelle losen die Problematik der Langlebigkeit und der Kreislaufwirtschaft, indem der Schuh nach einer bestimmten Zeitspanne an das Unternehmen zurückgeht und die Materialien vollständig wiederverwendet werden. Anhand der im Rahmen der Literaturrecherche gewonnenen Erkenntnisse wurde ein Geschäftsmodell nach Vorlage des Business Model Canvas entwickelt, das die verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt und die notwendigen Partnerschaften mit ökologischen Gütesiegeln und Zulieferern hervorhebt. Auch die Zielgruppen denen nachhaltige Produkte besonders wichtig sind, allgemeine Prioritäten von Konsument*innen beim Schuhkauf und mögliche Vertriebsmodelle wurden im erarbeiteten Geschäftsmodell auf der Grundlage neuester Studienergebnisse berücksichtigt. Das erarbeitete Geschäftsmodell wurde anschließend im Rahmen qualitativer Interviews von Expert*innen aus der Schuhindustrie und dem Schuhvertrieb bewertet. Die Expert*innen schätzen ein Abo-Modell als in der Praxis nicht umsetzbar ein und widersprechen in diesem Punkt den Aussagen der dem Geschäftsmodell zugrundeliegenden quantitativen Studien. Qualität und Tragekomfort schätzen die Expert*innen beim Kauf von Schuhen als wichtiger ein als Nachhaltigkeit als isolierter Faktor. In diesem Punkt decken sich die Aussagen der Expert*innen mit den Ergebnissen quantitativer Studien. Große Herausforderungen sehen die Expert*innen bei der Verfügbarkeit, Langlebigkeit und Preisgestaltung nachhaltiger Materialien und betonen eine große Abhängigkeit von der Zuliefererindustrie.
  • In the 21st century, humanity is experiencing an alarming increase in the consumption of natural resources that exceeds the earth's ability to regenerate. This trend has far-reaching consequences for the environment and represents an urgent need for action in terms of sustainability. The footwear industry contributes significantly to these developments, with most emissions occurring during material processing and production. Due to this initial situation, there is an urgent need for action to make shoe production more sustainable and to develop and successfully market a 100% sustainably produced shoe. One of the biggest problems regarding the social dimension of sustainability arises from the fact that the western world consumes significantly more shoes than it produces. The largest production countries are developing and newly industrialising countries, where both low wage levels and inadequate environmental standards prevail regarding production. Plastics are frequently used in conventional shoes, which often do not fulfil the criteria of the ecological dimension of sustainability. Some producers solve this problem by processing recycled marine plastic or other primarily recycled plastics. The use of natural products as an alternative to plastics is also an option that is being researched and, in some cases, utilised. However, regarding alternatives made from naturalproducts, there is often the problem of reduced resilience and durability.Some companies try to convince customers to buy sustainable shoes with subscription models. Thesesubscription models solve the problem of longevity and the circular economy by returning the shoe to the company after a certain period and completely reusing the materials.Based on the knowledge gained from the literature research, a business model was developed using the Business Model Canvas template, which considers the various dimensions of sustainability andemphasises the necessary partnerships with ecological seals of approval and suppliers. The target groups for whom sustainable products are particularly important, general priorities of consumers when buying shoes and possible distribution models were also considered in the business model developed based on the latest study results.The business model developed was then evaluated in qualitative interviews with experts from the footwear industry and footwear sales. The experts believe that a subscription model cannot be implemented in practice and contradict the statements of the quantitative studies on which the business model is based.The experts consider quality and comfort to be more important than sustainability as an isolated factor when buying shoes. On this point, the experts' statements coincide with the results of quantitative studies. The experts see major challenges in the availability, durability and pricing of sustainable materials and emphasise a great dependence on the supplier industry.

Download full text files

Export metadata

Additional Services

Share in Twitter Search Google Scholar
Metadaten
Author(s):Melanie Nadine Schardt
DOI:https://doi.org/10.58023/975
Subtitle (German):Eine Materialanalyse und qualitative Forschung zum innovativen Produkt "Nachhaltiger Schuh"
Referee:Magdalena Diem
Advisor:Magdalena Diem
Document Type:Master's Thesis
Language:German
Year of Publication:2024
Publishing Institution:FH CAMPUS 02 (CAMPUS 02 Fachhochschule der Wirtschaft)
Granting Institution:FH CAMPUS 02 (CAMPUS 02 Fachhochschule der Wirtschaft)
Release Date:2025/04/10
GND Keyword:NachhaltigkeitGND; GeschäftsmodellGND
Page Number:192
Institutes:Innovationsmanagement
Dewey Decimal Classification:6 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 65 Management, Öffentlichkeitsarbeit / 658 Allgemeines Management
BKL-Classification:85 Betriebswirtschaft / 85.15 Forschung und Entwicklung
Open Access:ja
Licence (German):License LogoBundesgesetz über das Urheberrecht an Werken der Literatur und der Kunst und über verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz)

$Rev$